Die Rolle der Frau in Afghanistan

„Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten Geboren“

(AEMR der UN in Art.1 Satz 1)

Ein Beitrag von Paula Zwicker

Vor hundert Jahren wurde in Deutschland, gemeinsam mit der Weimarer Republik, das Frauenwahlrecht eingeführt. Seitdem ist Deutschland einen weiten Weg gegangen bis hin zu einer weiblichen Kanzlerin. Frauen in Deutschland haben Freiheiten, von denen Frauen in Afghanistan leider nur träumen können. Die Zustände für Frauen dort, werden oft mit dem dunkelsten Mittelalter verglichen. Doch ist es überhaupt möglich sich mit der Emanzipation der Frau zu befassen, in einem Land, dass sich seit über 40 Jahren in einem Kriegszustand befindet?

Unter den Taliban wurden Frauen jegliche Rechte versagt und waren in kompletter Abhängigkeit von ihren männlichern Familienmitgliedern. Sie hatten keinen Zugang zu Bildung und durften, außer im Gesundheitswesen, nicht arbeiten. Auf eine „ungehorsame Frau“ warteten brutale Strafen, von Verstümmelungen bis hin zu Hinrichtungen.

Als das US-Militär das Taliban Regime auf Grund des Terroranschlages am 9. September 2001 stürzte veränderte sich die Lage für die afghanischen Frauen. Viele Gelder von Hilfsorganisationen flossen in die Förderung und Weiterbildung von Afghaninnen und auch arbeitende Frauen wurden finanziell unterstützt. Dies wirkte sich positiv auf die Situation in Kabul aus, da die Programme dort stattfanden. Doch zugleich war es einer der Auslöser für eine große Landflucht, die zu einer Verschlechterung der Situation für Frauen auf dem Land führte.

Dieses Phänomen beschreibt Karla Schefter auch in ihrem Buch „Ich gebe die Menschen nicht auf: Afghanistan, ein Land ohne Hoffnung?“. Darin schreibt sie auch über die tragischen Schicksale vieler Frauen, die sie kennenlernte. Es wird unter anderem von einem 17jährigen Mädchen erzählt, welches durchlöchert von Schüssen in das Krankenhaus eingeliefert wurde. Sie war untreu gewesen und hatte damit eine Art Ehrenkodex der afghanischen Gesellschaft gebrochen, woraufhin Vater und Bruder sie töten wollten. Ihr Liebhaber war bereits ermordet worden.

Karla Schefter selbst ist trotz ihres Geschlechts eine respektierte Persönlichkeit mit Autorität in Afghanistan. Sie erkennt und passt sich der afghanischen Kultur an. Doch nur so ist sie im Stande afghanischen Männern Anweisungen zu erteilen.

Das Chak-Hospital selbst, stellt einen Lichtblick für Frauen dar. Seit 2003 besitzt es einen Frauentrakt, in welchem unter Einhaltung von afghanischen Werten Frauen behandelt werden. Zudem ist es mittlerweile ein Arbeitsplatz für mehrere weibliche Ärzte, Hebammen und Krankenschwestern. Außerdem besitzt es eine Schule, in der Söhne und Töchter von Angestellten unterrichtet werden.

Dies sind zwar nur kleine Schritte, aber sie gehen dennoch in die richtige Richtung. Was aber fest zu stellen ist, ist dass die Gleichberechtigung in Afghanistan weder von außen, noch von oben erzwungen werden kann, sondern von den Afghanen selbst gewollt und angestrebt werden muss.

Quelle: Karla Schfter: Ich gebe die Menschen nicht auf: Afghanistan, ein Land ohne Hoffnung?, 2011